MAÓ, Menorca — Die religiöse Vergangenheit einer Insel ist an Gebäuden und Festen ablesbar. Ihre religiöse Gegenwart bleibt häufig weniger sichtbar: Sie zeigt sich in Schulen, Gotteshäusern, öffentlichen Dienstleistungen und Entscheidungen der örtlichen Behörden. Ein neues Buch über Menorca lenkt den Blick auf diese andere Seite der Inselkultur.

Diversidad religiosa en Menorca y sus reflejos jurídicos (Religiöse Vielfalt auf Menorca und ihre rechtlichen Auswirkungen) wird am 22. Oktober im Institut Menorquí d’Estudis in Maó vorgestellt. Die Rechtswissenschaftler Catalina Pons-Estel Tugores und Marcos González Sánchez betrachten religiöse Vielfalt nicht nur als Frage der Geschichte oder Identität, sondern auch im Zusammenhang mit der alltäglichen Organisation des Gemeinwesens.

Eine andere Landkarte der Insel

Die Beschreibung des Buches nennt ein bemerkenswert breites Spektrum konkreter Themen. Neben der Anerkennung von Religionsgemeinschaften geht es um Bildung und Religionsunterricht, soziale Unterstützung, religiöse Betreuung, Medien, Gebetsstätten, Friedhöfe, Kulturerbe und örtliche Feste. Auch die Beziehungen zu regionalen und kommunalen Verwaltungen werden behandelt.

Zusammen ergeben diese Themen eine andere Landkarte Menorcas. Ein Friedhof oder ein Fest kann Teil einer überlieferten Landschaft sein; Schulen und kommunale Einrichtungen müssen zugleich auf die Menschen reagieren, die heute dort leben. Welche Regeln gelten bei diesen Begegnungen, und wie werden unterschiedliche Überzeugungen berücksichtigt? Eine rechtswissenschaftliche Untersuchung des religiösen Lebens kann solche Fragen sichtbar machen.

Die Ergebnisse der Forschenden sollten allerdings nicht vorweggenommen werden: Sie sollen erst bei der angekündigten Veranstaltung vorgestellt werden. Vorerst liegt der besondere Reiz der Veröffentlichung in ihrer thematischen Breite und darin, dass sie konkrete Lebensverhältnisse auf einer Insel statt ausschließlich landesweiter Statistiken in den Blick nimmt.

Lokale Forschung mit überregionaler Bedeutung

Das Buch geht auf das Forschungsprojekt La diversidad religiosa en Menorca zurück, das im Rahmen des Förderprogramms 2023 des Institut Menorquí d’Estudis unterstützt wurde.

Pons-Estel Tugores lehrt Zivilrecht an der Universität der Balearen und leitet das Projekt. González Sánchez lehrt staatliches Religionsrecht an der Autonomen Universität Madrid. Die beiden haben bereits früher zusammengearbeitet: 2019 betreuten sie gemeinsam eine Ausgabe der Fachzeitschrift Derecho y Religión über Spaniens autonome Gemeinschaften und die Religionsfreiheit.

Beide wurden für frühere Arbeiten mit dem Religious Freedom Award der Fundación Mejora ausgezeichnet: González Sánchez 2019 und Pons-Estel Tugores 2020. Die Auszeichnungen ordnen ihren wissenschaftlichen Werdegang ein; im Mittelpunkt des neuen Buches stehen jedoch Fragen, die sich aus Menorcas eigener gesellschaftlicher Wirklichkeit ergeben.

Öffentliche Buchvorstellung in Maó

Wer sich für Lokalgeschichte oder Gegenwartskultur interessiert, findet hier eine Erinnerung daran, dass die Kultur eines Ortes mehr umfasst als Denkmäler und Traditionen. Dazu gehört auch, wie Gemeinschaften sich organisieren und wie Entscheidungen das Zusammenleben in gemeinsam genutzten Räumen beeinflussen. Nach der Präsentation wird sich der Beitrag der Studie genauer beurteilen lassen.

Die Autoren stellen das Buch am Donnerstag, 22. Oktober 2026, um 18:30 Uhr im Institut Menorquí d’Estudis, Camí des Castell 28, Maó vor. Die Veranstaltung ist öffentlich. Weitere Informationen zur Einrichtung bietet die Website des IME.