Die Creator-Ökonomie, die einst die Romance-Regale rettete, verändert jetzt Karrieren weiter oben in der Liste. Literaturagenten berichten von einer zweiten BookTok-Welle: Statt unbekannter Debüts, die viral gehen, finden etablierte Midlist-Autoren neue Leserinnen und Leser – und neue Verträge –, während kurze Videoempfehlungen von den Smartphones Jugendlicher auf Mainstream-Plattformen wandern.
Der Mechanismus hat sich professionalisiert. Die frühen Erfolge waren algorithmischer Blitz; der heutige Zyklus ist orchestriert: Verlage bilden Creator-Teams Monate vor Erscheinen ein, verteilen Leseexemplare an spezialisierte Rezensenten und timen Cover-Reveals auf den Rhythmus der For-You-Seite. Das Ergebnis: Autoren mit fünf oder sechs Rücklistentiteln – einst als solide Verkäufer abgehakt – werden en masse wiederentdeckt.
Aufmerksamkeit zieht Film- und Serieninteresse nach sich. Produktionsfirmen, die 2023 „BookTok-Bücher“ noch als Modeerscheinung abtaten, pflegen inzwischen Dauerscoutings mit mehreren Agenturen. Für Autoren hat sich die Verhandlungsmacht spürbar verschoben: Agenten verhandeln Audio- und Kurzform-Adaptionen zunehmend separat, und manche Midlist-Verträge enthalten inzwischen Creator-Marketing-Verpflichtungen als Standardklausel. Die Botschaft der zweiten Welle: Ein Backlist ist kein Friedhof mehr, sondern eine Bibliothek, die auf ihre Bibliothekarin wartet.